„Zutiefst unseriös“: Weitere Reaktionen und Berichte über OBS-Studie

Die von mir erstellte Studie über die Aufsichtsgremien des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (ÖRR) (vgl. FLURFUNK vom 28.2.2025: "Aufsicht des öffentlich-rechtlichen Rundfunks mangelt es an Transparenz") sorgt weiter für Reaktionen und Berichterstattung.

Eine erste Sammlung an Rückmeldungen hatte ich ja bereits hier dokumentiert: "DLF-Hörfunkrat widerspricht, ARD-GVK kritisiert: Reaktionen auf OBS-Gremien-Studie" (FLURFUNK vom 9.3.2025).

epd Medien bespricht Studie

Der Medienwissenschafter und -journalist Dominik Speck, der an der Universität Dortmund zum Thema Transparenz des ÖRR im europäischen Vergleich promoviert, hat sich für epd Medien ausführlich mit der Studie beschäftigt.

Zitat aus seinem Text mit dem Titel "In den Dialog gehen" vom 25.3.2025:

"Wie nicht anders zu erwarten, setzen die Berichterstattung über die Studie sowie erste Reaktionen aus Medienpolitik und Gremien hauptsächlich an dieser Stelle an und kritisieren, was sie als pauschale Gremien- und Parteienschelte interpretieren."

Speck thematisiert dazu die Kritik von Klaus Sondergeld, Vorsitzender der ARD-GVK, die ich bereits in der ersten Sammlungen der Reaktionen verlinkt habe (hier direkt bei der GVK zu lesen). Er geht auch auf einen längeren Blog-Beitrag von Benjamin Hoff ein, den ich unten noch zitiere und verlinke.

Weiter schreibt Speck:

"Abgesehen von der Frage nach dem parteipolitischen Einfluss auf die Gremien trägt die OBS-Studie jedoch auch beachtenswerte Informationen zur personellen und finanziellen Ausstattung der Gremienbüros zusammen, geht auf die Transparenz der Gremienarbeit ein und fragt, inwiefern die Rundfunkräte ihrem Auftrag der Programmkontrolle nachkommen. Diese Aspekte sollen hier ebenso im Fokus stehen wie die Frage, welche Schlussfolgerungen sich daraus für mögliche Reformen ziehen lassen."

Er bespricht im Folgenden seines Textes diese weiteren Aspekte und kommt zu dem Schluss:

"Die OBS-Studie liefert wichtige Impulse für weitere Gremienreformen, zeigt aber auch Forschungslücken auf. Nach wie vor fehlt es, wie der GVK-Vorsitzende Sondergeld zu Recht moniert, an empirischen Untersuchungen zum Rollenverständnis der Gremienmitglieder. Die könnten auch die weitere Ausgestaltung der Gremienarbeit befruchten."

Studie Thema im Podcast LÄUFT

Speck ist außerdem Gast im Podcast Läuft, der von epd Medien und Grimme Institut produziert wird, um über die Studie, vor allem aber die Gremienarbeit an sich zu sprechen.

In der Ankündigung des Podcast heißt es:

"Eine Studie der Otto Brenner Stiftung geht diversen Kritikpunkten rund um Rundfunk- und Verwaltungsräte neu auf den Grund. Der Dresdner Medienjournalist (und ehemalige LÄUFT-Gast) Peter Stawowy stellt als Autor unter anderem fest, dass der Einfluss der Politik in den Gremien größer sein könnte als gedacht - wenn man nicht politische Ämter zugrunde legt, sondern Parteizugehörigkeit. Inzwischen hat es einige Reaktionen auf die Studie gegeben. Alexander Matzkeit und der Journalist und Medienwissenschaftler Dominik Speck fassen den Stand der Dinge zusammen und versuchen die Frage zu beantworten: Wie könnte die Arbeit der Gremien so verändert werden, dass sie in der Lage sind, den an sie gestellten Anforderungen zu genügen."

Der Podcast ist überall zu finden, wo es Podcast gibt - zum Beispiel hier: "58. Öffentlich-rechtliche Gremien: Mut zum Publikumsrat".

Ehemaliger Medienminister zur Studie

Nicht unerwähnt bleiben soll hier auch der Text von Benjamin Hoff (Die Linke), dem ehemaligen Thüringer Medienminister, den er am 17.3.2025 in seinem Blog "Nachdenken im Handgemenge" veröffentlicht hat.

Der Titel lautet: "Wenig hilfreiches Parteien-Bashing. Studie zur Reform der Rundfunkräte".

Hoff führt darin aus, dass er die Studie und die Betrachtung der Parteizugehörigkeit ausgesprochen kritisch sieht, würde sie doch nur der AfD in die Hände spielen.

Er schreibt in seiner Einleitung:

"Die gewerkschaftsnahe Otto-Brenner-Stiftung hat sich mit Studien zur Medienlandschaft einen Namen gemacht. Mit der neuesten Untersuchung zur Zusammensetzung der Rundfunkgremien „Im öffentlichen Auftrag“ tut sie sich keinen Gefallen. Im Bemühen, vermeintliche parteipolitische Einflussstrukturen in den Rundfunkgremien offenzulegen, praktiziert sie eine überdehnte Definition von Staatsnähe. Ungewollt liefert sie denjenigen Argumente, die den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ohnehin delegitimieren wollen. Davon hat die AfD in Rheinland-Pfalz bereits Gebrauch gemacht."

Er kritisiert die von mir gewählte Vorgehensweise, die er als "Stawowy-Zählung" bezeichnet, und begründet dies sehr ausführlich:

"Weder liefert Stawowy eine solide theoretische Begründung für die von ihm vorgenommene willkürliche Ausweitung des Begriffs der Staatsnähe, noch überzeugt die Argumentation lebensweltlich. "

Zumindest einigen der in der Studie angebrachten Reformvorschlägen kann er auch etwas abgewinnen. Sein Schlussatz:

"Mag sein, dass die Thesen von Peter Stawowys Untersuchung Im öffentlichen Auftrag durch mediale Rezeption die öffentliche Wahrnehmung der Otto-Brenner-Stiftung erhöht haben. Ob sie sich mit dieser Studie einen Gefallen getan hat, kann bezweifelt werden."

Sorge und Unmut im ZDF-Fernsehrat

Die Studie war außerdem gute 12 Minuten Thema der Sitzung des ZDF-Fernsehrat am 28.3.2025 – im unten verlinkten Video ab Min. 11:12 zu sehen und hören (oder hier direkt bei YouTube).

Zunächst bringt die Vorsitzende Gerda Hasselfeld (CSU, ehemalige Bundesministerin, im ZDF-Fernsehrat als Vertreterin der Freien Wohlfahrtsverbände) ihre Sorge und ihren Unmut über die Studie zum Ausdruck: "Ich weise sie mit aller Entschiedenheit zurück." Weiter bezeichnet sie die Herangehensweise der Studie als "zutiefst unseriös" und die angewendete Zählmethode als "fragwürdig".

Für sie sei es unverständlich, dass gerade "in dieser Zeit" so eine Studie veröffentlicht wird.

Wörtlich sagt Hasselfeld:

"Mitgliedschaft in einer Partei bedeutet nicht, sich vor den Karren einer Parteimeinung spannen zu lassen, sondern bedeutet eben auch gesellschaftliches Engagement (…) und wir alle wissen, dass ohne dieses gesellschaftliche Engagement unsere Demokratie nicht funktionieren würde.“

Und weiter:

"Dass wir der Allgemeinheit verpflichtet sind, das braucht uns niemand von außen sagen, das wissen wir und das leben wir und arbeiten wir täglich."

Es folgen eine ganze Reihe weiterer Wortbeiträge von ZDF-Rundfunkräten - alle im Video zu sehen.

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